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Heiraten

Heiraten in der Weststeiermark

Burgwiese, Refektorium, Lipizzanerhof oder Weinkeller: wo in den Bezirken Deutschlandsberg und Voitsberg getraut wird, was das Standesamt verlangt und welche Häuser wie viele Gäste fassen.

Zuletzt aktualisiert: September 2026
Redaktion: Redaktion Weststeiermark
Lange gedeckte Hochzeitstafel zwischen Rebzeilen, im Hintergrund ein Winzerhaus und bewaldete Hügel
Tafel im Weingarten: Mehrere Weingüter der Region trauen und bewirten direkt zwischen den Reben. Symbolbild.

596 Paare haben 2024 in den beiden Bezirken geheiratet, 312 in Deutschlandsberg und 284 in Voitsberg. Voitsberg hat damit die zweithöchste Heiratsziffer der Steiermark: 5,5 Ehen je 1.000 Einwohner, nur Leibnitz liegt mit 5,8 darüber. Und in beiden Bezirken ist jede dritte Ehe eine zweite oder dritte. Der Anteil der Wiederverheiratungen liegt bei 35,2 Prozent in Voitsberg und 34,0 Prozent in Deutschlandsberg, steiermarkweit sind es 27,8.

Die Zahlen stammen aus dem Heft zur natürlichen Bevölkerungsbewegung 2024 der Landesstatistik. Für 2025 liegt erst der Landeswert vor, und der ist deutlich gesunken: 6.158 Eheschließungen in der Steiermark, ein Minus von 6,7 Prozent und damit der stärkste Rückgang aller Bundesländer, wie Statistik Austria im Februar 2026 meldete. Wer 2024 in der Steiermark zum ersten Mal heiratete, war im Schnitt 34,4 Jahre alt (Männer) beziehungsweise 32,3 (Frauen).

Für die Planung wichtiger als die Statistik ist die Struktur der Region: 27 Standesämter für 30 Gemeinden, jedes mit eigenen Trauungsorten, eigenen Gebühren und eigenen Terminfenstern. Dazu drei Seelsorgeräume der Diözese Graz-Seckau, zwei evangelische Pfarrgemeinden und rund 15 Häuser, die Trauung, Feier und Übernachtung an einem Ort anbieten.

Standesamt, Kirche, freie Trauung

Rechtsgültig ist nur die Ehe vor dem Standesbeamten. Alles andere kommt dazu, nicht stattdessen.

Standesamtlich

Pflicht für jede Ehe. Die Anmeldung geht bei jedem Standesamt, die Trauung selbst kann in einem anderen stattfinden, etwa dort, wo das Schloss steht. Beide Bezirke zusammen führen 27 Standesämter, zehn davon mit belegten Orten außerhalb des Amtsraums. Welches Amt wo traut, was es verlangt und welche Unterlagen nötig sind: Standesämter und Trauungsorte.

Kirchlich

Die katholische Trauung setzt ein Eheseminar voraus, 70 Euro pro Paar, und zwei volljährige Trauzeugen. Der Bezirk Voitsberg ist Pilotregion für ein neues Modell mit Begleitpaar. Zu den gefragten Kirchen zählen die Schlosskirche Stainz, die Hundertwasserkirche Bärnbach und die Wallfahrtskirche Maria Lankowitz, evangelisch getraut wird in Stainz, Deutschlandsberg und Voitsberg. Alles dazu unter Kirchlich heiraten.

Freie Trauung

Ohne Rechtswirkung, dafür ohne Vorgaben zu Ort und Ablauf. In der Region gibt es dafür eine Waldlichtung am Herkhof auf 847 Metern, die Hauskapelle des Winzerhauses Sierling Eins und den Trauungsplatz zwischen den Rebzeilen beim Stammhaus Jöbstl.

Wo getraut wird

Die Orte, die die Standesämter der Region neben dem eigenen Trauungssaal anbieten.

Burg Deutschlandsberg

Das Standesamt Deutschlandsberg traut auf der Burgwiese im Freien oder im Burgmuseum. Danach geht es im selben Haus weiter: Sekt im Hof, Menü im Rittersaal, Zimmer im Burghotel. Die Küche führt zwei Hauben.

Schloss Stainz

Das Refektorium, der frühere Speisesaal der Chorherren, ist Exklusivtrauungsort des Standesamts Stainz. Getraut wird auch im Schlosshof, im Salettl und auf der Schlossterrasse. Der Speisesaal fasst 150 Gäste am Tisch.

Schloss Piber

Im Lipizzanergestüt traut das Standesamt Köflach im Arkadenhof, in den Prunkräumen des ersten Stocks oder in der Wagenremise zwischen den historischen Kutschen. Die romanische Pfarrkirche Piber steht wenige Meter entfernt.

Winzerhaus Sierling Eins

Vier Trauungsorte an einem Haus: Kellergewölbe, Hauskapelle, Panoramaterrasse mit Blick bis Graz und Pavillon. Der Gewölbekeller ist Exklusivtrauungsort des Standesamts Stainz, gefeiert wird am Marhof oder im Schilcherland Hof am Hauptplatz.

Dom des Waldes

Auf der Hebalm bildet ein 756 Meter langer Holzsteg den Grundriss des Mailänder Doms nach, mit fünf Portalen in Originalgröße. Das Standesamt Hirschegg-Pack führt ihn als Exklusivtrauungsort.

Sunfixlhöhle

Ein Schleifsteinbruch in Kainach, seit 1798 dokumentiert, mit erhaltener Bergschmiede. Trauungsort des Standesamts Kainach bei Voitsberg, zugänglich von Mai bis November. Nebenan liegt der Heurige mit Musikpavillon.

Dazu kommen der Rossstall von Schloss Hollenegg und die Rondell Gallery in Bad Schwanberg, das Stieglerhaus und der Stephanussaal in St. Stefan ob Stainz, die Hofer-Mühle in Stainz, der Pavillon im Robert-Fuchs-Park und Gut Fellner in Frauental, das Schloss Alt-Kainach in Bärnbach und, nur im August, die Burg Obervoitsberg. Adressen, Kontakte und Details zu jedem Ort stehen unter Standesämter und Trauungsorte.

Wo gefeiert wird

Häuser mit belegter Gästezahl, Trauungsmöglichkeit und Zimmern. Angaben der Betriebe selbst, Stand September 2026.

Haus Ort Gäste Trauung vor Ort Übernachtung
Hofer-Mühle Stainz bis 200 standesamtlich nein
Schloss Stainz, Refektorium Stainz 150 am Tisch, 250 in Reihen standesamtlich, kirchlich in der Schlosskirche nein
Herkhof Freiland, 847 m 120 im Stadl, 40 in der Rauchkuchl standesamtlich, frei, kirchlich nebenan ja, am Hof
Gut Fellner Frauental bis 100 im Haus standesamtlich auf Terrasse, im Weinkeller oder unter dem Nussbaum nein
Burg Deutschlandsberg Deutschlandsberg 100 im Wappensaal standesamtlich auf der Burgwiese oder im Museum ja, Burghotel
Gasthof Martinhof St. Martin im Sulmtal 70 bis 80 im Saal, bis 100 gesamt standesamtlich im Garten oder am Pool ja
Stainzerhof Stainz bis 80 unter der Trauerbuche im Garten ja, 45 Zimmer
Stammhaus Jöbstl Aibl bei Eibiswald bis 70, Festsaal 65 im Weingarten keine Angabe
Winzerhaus Sierling Eins Marhof bei Stainz ab 20 auf Anfrage standesamtlich, vier Orte im Schilcherland Hof, 52 Zimmer

Die Spanne reicht von 40 Personen in der Rauchkuchl des Herkhofs bis zu 250 im Refektorium von Schloss Stainz. Wer mehr als 150 Gäste erwartet, hat in der Region genau zwei Adressen: die Hofer-Mühle und das Refektorium. Für alles unter 100 ist die Auswahl groß, und dort entscheidet meist die Frage, ob die Gesellschaft im selben Haus schlafen soll. Details zu jedem Haus, auch zu Schloss Piber, dem Rossstall Hollenegg und dem Hochzeitsdorf St. Oswald, unter Hochzeitslocations.

Was das Standesamt kostet

Die Bundesgebühren sind in ganz Österreich gleich und seit 1. Juli 2025 teurer: Die Ermittlung der Ehefähigkeit kostet 74 Euro statt 50. Der Rest hängt davon ab, wo und wann getraut wird.

Position Betrag Anmerkung Ebene
Ermittlung der Ehefähigkeit 74 Euro früher Aufgebot, sechs Monate gültig, beide Verlobten persönlich Bund
Zuschlag bei ausländischen Urkunden 119 Euro zusätzlich zur Ermittlung Bund
Trauung im Amtsraum, Dienstzeit 5,45 Euro Bundesverwaltungsabgabe Bund
Trauung im Amtsraum, außerhalb der Dienstzeit 10,90 Euro etwa Samstag im Rathaus Bund
Trauung außerhalb des Amtsraums 54,50 Euro Burg, Schloss, Weinkeller Bund
Kommissionsgebühr der Gemeinde je nach Gemeinde für Trauungen außerhalb des Amts und außerhalb der Amtsstunden Gemeinde
Nutzungsentgelt des Hauses je nach Haus Stainz weist ausdrücklich auf Gebühren der Eigentümer hin Betreiber

Die Erhöhung auf 74 Euro kam mit dem Budgetsanierungsmaßnahmengesetz, wie der Gemeindebund in seinem Fachmedium Kommunal festhält. Die Bundesverwaltungsabgaben stehen so etwa in der Gebührenaufstellung der Gemeinde Purbach, deren Landeskommissionsgebühren allerdings burgenländisch sind und in der Steiermark nicht gelten. Die steirischen Gemeinden setzen ihre Sätze selbst fest und nennen sie am Telefon.

Zwei regionale Posten kommen dazu. Das katholische Eheseminar kostet in der Diözese Graz-Seckau 70 Euro pro Paar, Sonderformate zwischen 80 und 160 Euro. Und die Hofer-Mühle in Stainz verrechnet bei Absage einer gebuchten Trauung 89 Euro Bearbeitungsgebühr. Das Standesamt ist ohnehin der kleinste Posten der Hochzeit. Was Feier, Kleidung, Fotograf und Musik ausmachen und wie sich der Tag von der Verlobung bis zur Danksagung planen lässt, steht beim Hochzeitsberater.

Fristen, die in der Region zählen

Sechs Monate: das Aufgebot

Die Ermittlung der Ehefähigkeit ist maximal sechs Monate gültig, also frühestens sechs Monate vor dem Termin möglich. Das Standesamt Lannach bittet um eine längere Anmeldefrist, weil die Trauung erst nach Freigabe im Zentralen Personenstandsregister stattfinden darf.

5. Oktober 2026: Eheseminare

An diesem Tag schaltet die Diözese die Seminartermine bis Oktober 2027 frei. Wer im Frühjahr kirchlich heiraten will, sichert sich den Kurs im Herbst davor, die Tagesseminare in den Pfarren sind begrenzt.

Nur im August: Burg Obervoitsberg

Das Standesamt Voitsberg traut auf der Burgruine über der Stadt ausschließlich im August. Die Sunfixlhöhle in Kainach ist von Mai bis November zugänglich, Schloss Alt-Kainach von Mai bis Oktober.

September: Weinlese und Feste

Der beliebteste Hochzeitsmonat fällt in die Lese. Weingüter, die selbst ernten, vergeben Septembertermine zurückhaltend, und in Stainz, Eibiswald und Preding laufen die großen Feste, siehe Veranstaltungen. Zimmer für die Gesellschaft früh reservieren.

Ruhetage der Gasthöfe

Der Martinhof hat Mittwoch und Donnerstag Ruhetag, Gut Fellner öffnet die Buschenschank regulär nur am Donnerstag und sonst ab 15 Personen auf Anfrage. Ein Freitagstermin passt in beiden Häusern, ein Mittwoch nicht überall.

Schriftlich: der Flascherlzug

Sonderfahrten und die exklusive Anmietung des ganzen Zuges nimmt die Marktgemeinde Stainz nur schriftlich oder per E-Mail an. Die Fahrt Stainz - Preding und retour dauert rund zwei Stunden, siehe Stainzer Flascherlzug.

Flascherlzug, Brautführer, Tracht

Drei Dinge, die es so nur in der Weststeiermark gibt, und eine Getränkefrage, die jede Hochzeit hier entscheiden muss.

Der Zug für die Gesellschaft. Der Stainzer Flascherlzug fährt auf Bestellung als geschlossener Sonderzug, mit Dampf- oder Diesellok, elf Kilometer von Stainz über Kraubath nach Preding und zurück. Die Waggons sind gedeckt, die Fahrt findet also auch bei Regen statt. Für eine Hochzeitsgesellschaft, die zwischen Trauung in Stainz und Feier auf dem Land befördert werden will, ist das die Alternative zum Bus, samt Aufenthalt in Preding.

Der Brautführer von St. Oswald. St. Oswald ob Eibiswald nennt sich Hochzeitsdorf. Die Pfarrkirche zum Heiligen Oswald wurde 1723 bis 1728 gebaut, die Pfarre ist seit 1373 belegt. Zum Angebot gehört ein Brautführer, der die Gesellschaft durch den Tag begleitet, eine Wiederbelebung eines alten Brauchs. Kontakt läuft über die Pfarre St. Oswald ob Eibiswald, die Kanzlei sitzt in Eibiswald.

Tracht als Hochzeitskleid. Zu einer Feier im Buschenschank, im Stadl oder auf der Alm passt das Dirndl besser als die Schleppe, und der Janker besser als der Frack.

Schilcher oder Sekt. Zur Agape nach der Trauung stellt sich hier die Frage nach dem Rosé aus dem Blauen Wildbacher. Der Schilcher ist mit seiner Säure ein guter Aperitif, als Sekt oder Frizzante ausgebaut ersetzt er den Sekt vollständig. Wer im Weinkeller heiratet, trinkt ohnehin das Haus. Welche Betriebe welchen Ausbau führen, steht unter Wein und Kulinarik.

Häufige Fragen

Wo kann man außerhalb des Standesamts heiraten?

An den Orten, die das jeweilige Standesamt festgelegt hat. Im Bezirk Deutschlandsberg sind das unter anderem Burgwiese und Burgmuseum in Deutschlandsberg, Refektorium und Sierling-Keller in Stainz, Rossstall Hollenegg und Rondell Gallery in Bad Schwanberg und Gut Fellner in Frauental. Im Bezirk Voitsberg Schloss Piber, Schloss Alt-Kainach, Dom des Waldes, Sunfixlhöhle und im August die Burg Obervoitsberg. Die Anmeldung geht bei jedem Standesamt, die Trauung bei dem, das den Ort führt.

Was kostet die standesamtliche Trauung?

74 Euro für die Ermittlung der Ehefähigkeit, 119 Euro Zuschlag bei ausländischen Urkunden, dazu 5,45 Euro für die Trauung im Amt während der Dienstzeit, 10,90 Euro außerhalb der Dienstzeit und 54,50 Euro außerhalb des Amtsraums. Die Gemeinden verrechnen für Trauungen im Schloss oder am Samstag zusätzlich Kommissionsgebühren, und die Hausbesitzer ein Nutzungsentgelt.

Wie früh muss man sich anmelden?

Frühestens sechs Monate vor dem Termin, weil die Ermittlung der Ehefähigkeit nur so lange gilt. Beide Verlobten müssen persönlich erscheinen. Der Trauungsort und die Feier sollten deutlich früher reserviert sein, für Samstage zwischen Mai und Oktober oft ein Jahr im Voraus.

Braucht man Trauzeugen?

Beim Standesamt seit 1. November 2013 nicht mehr, es können ein, zwei oder keine dabei sein. Bei der katholischen Trauung sind zwei volljährige Trauzeugen vorgeschrieben.