Natur & Wandern
Wandern in der Weststeiermark
Von der Zweistundenrunde durch die Weingärten bis zum 2.140 Meter hohen Speikkogel: neun Touren mit Länge, Gehzeit und Höhenmetern.
Inhalt
Zwischen dem tiefsten und dem höchsten Punkt der Region liegen rund 1.800 Höhenmeter. Im Sulmtal wandert man auf gut 300 Metern zwischen Rebzeilen, auf dem Großen Speikkogel steht man auf 2.140 Metern neben einer Wetterwarte. Beides liegt keine Autostunde auseinander.
Das erklärt, warum sich die Wanderungen hier so schlecht über einen Kamm scheren lassen. Der Weinbergweg in Bad Gams ist ein Spaziergang mit 240 Höhenmetern und einem Kneippbecken im Wald. Der Rosenkogelweg ab Stainz führt auf 1.362 Meter und wird erst ab acht bis neun Jahren empfohlen. Wer die Region als Wanderziel unterschätzt, tut das meist, weil er nur die Weingärten kennt.
Was fast alle Touren gemeinsam haben: Sie enden oder beginnen an einem Ort, an dem es etwas zu trinken gibt. Buschenschank, Gasthof oder Hütte liegen selten mehr als eine Stunde auseinander, und die Wege sind entsprechend darauf ausgelegt.
Zwei Landschaften, zwei Sorten Wandern
Die Weststeiermark besteht wandertechnisch aus zwei Teilen, die kaum etwas miteinander zu tun haben.
Der östliche Teil ist Hügelland: Rebzeilen an Südhängen, Wald auf den Nordseiten, dazwischen Kapellen, Höfe und Aussichtswarten. Die Wege sind meist Güterwege und Wiesenpfade, die Steigungen kurz und häufig. Man geht zwei bis vier Stunden, überwindet 200 bis 400 Höhenmeter und kommt an mehreren Einkehrmöglichkeiten vorbei. Typische Vertreter sind der Weinbergweg Bad Gams, der Stainzer Panoramaweg und der Schilcherweg nach Bad Gams.
Der westliche Teil ist Gebirge. Die Koralpe bildet die Grenze zu Kärnten, und ab etwa 1.000 Metern hört das Weinland auf. Hier gelten alpine Regeln: festes Schuhwerk, Wetterbericht, kein Handyempfang in jeder Mulde. Der Rosenkogel auf 1.362 Metern ist der Übergang, die Weinebene auf 1.666 Metern schon eindeutig Bergwelt.
Der Reiz liegt in der Kombination. Wer vormittags auf der Koralpe war und nachmittags in einer Buschenschank auf 400 Metern sitzt, hat zwei Landschaften an einem Tag erlebt, die anderswo Tagesreisen auseinanderliegen.
Neun Touren im Überblick
Angaben nach den jeweiligen Tourenportalen und Gemeinden. Gehzeiten ohne Pausen.
9 Touren
| Tour | Länge / Gehzeit | Höhenmeter | Grad |
|---|---|---|---|
| Turmbauerweg Eibiswald Kulturhistorischer Rundweg mit neun Infotafeln |
6,9 km / 2:00 h | gering | Leicht |
| Weinbergweg Bad Gams Start Ortszentrum, Pölliberger Kapelle, Peter's Brünn' |
5,8 km / 2:45 h | 240 hm, 377 bis 600 m | Mittel |
| Großer Speikkogel von der Weinebene Start Parkplatz Weinebene, Markierung 20/05 |
7,6 km / 2:45 h | 514 hm, 1.666 bis 2.140 m | Mittel |
| Schilcherweg Stainz nach Bad Gams Streckenwanderung, mit dem Bus erreichbar |
10 km / 3:30 h | 400 hm auf, 350 hm ab | Mittel |
| Eibiswald nach St. Anton Als Runde über den Radlpass erweiterbar |
11,5 km / 3:28 h | mittel | Mittel |
| Stainzer Panoramaweg Nr. 1 Rundweg ab Hauptplatz Stainz über die Stainzer Warte |
11,7 km / 3:30 h | 360 hm, 339 bis 693 m | Mittel |
| Rosenkogelweg Ab Tourismusbüro Stainz, Gipfelkreuz und Kapelle |
11,4 km / 4:00 h | bis 1.362 m Gipfelhöhe | Mittel |
| Eibiswalder Rundweg Rundtour ab Ortszentrum mit ständigem Auf und Ab |
15,5 km / 4:30 h | durchgehend wechselnd | Mittel |
| Nord-Süd-Weg E22, Etappe 22 Schlussetappe mit Abstieg nach Eibiswald zum Weitwanderstein |
19,5 km / 6:15 h | hoch | Schwer |
Keine Tour passt zu dieser Auswahl.
Wandern in den Weingärten
Drei Touren, die sich in Charakter und Anspruch deutlich unterscheiden.
Weinbergweg Bad Gams
Die kürzeste der drei und die mit den meisten Einzelheiten. 5,8 Kilometer, 240 Höhenmeter, rund zweidreiviertel Stunden. Start ist das Ortszentrum von Bad Gams, es geht an der Pfarrkirche vorbei und die Schilcherweinstraße hinauf durch die Weingärten. Der höchste Punkt liegt auf 600 Metern, der tiefste auf 377.
Unterwegs stehen die Pölliberger Kapelle und der Aussichtspunkt Peter's Brünn', wo sich nach Angabe des Tourenportals der kleinste Schilcherweinkeller der Weststeiermark befindet. Im Wald gibt es ein Kneippbecken. Mehrere Weingüter und Gastbetriebe liegen direkt an der Strecke.
Stainzer Panoramaweg Nr. 1
11,7 Kilometer, dreieinhalb Stunden, 360 Höhenmeter, mittelschwer. Die Runde startet am Stainzer Hauptplatz, führt an der alten Brückenwaage vorbei und durch Wald hinauf zur Pletterikapelle. Zwischen 339 und 693 Metern wechseln Wald, Wiese und Rebzeile mehrfach ab.
Das Ziel der Strecke ist die Stainzer Warte, der 26 Meter hohe Holzturm auf dem Lethkogel. Auf dem Weg liegen mehrere Kapellen, darunter die Steinbauer-, die Göri- und die Strasserkapelle. Für den Rückweg gibt es mit dem Jägersteig eine Abstiegsvariante.
Rosenkogelweg
Der traditionsreichste Weg der Gegend und der anspruchsvollste unter den Weinlandtouren, weil er das Weinland verlässt. 11,4 Kilometer, rund vier Stunden, Start am Tourismusbüro in Stainz. Der Weg steigt über die Stainzer Warte auf 608 Metern zur Schneiderbauerkapelle auf 971 Metern, weiter zum Absetzwirt auf 1.200 Metern und schließlich auf den Rosenkogel mit 1.362 Metern, wo Kapelle und Gipfelkreuz stehen.
Beim Steinbauer liegt unterwegs eine Sammlung historischer Werkzeuge. Die steilsten Passagen sind laut Beschreibung die Abschnitte zur Warte, auf den Stainzer Kogel und zum Rosenkogel-Gipfel. Für Kinder wird die Tour ab etwa acht bis neun Jahren empfohlen.
Hinauf auf die Koralpe
Der höchste Punkt der Region liegt streng genommen knapp jenseits der Landesgrenze.
Die Koralpe bildet die natürliche Grenze zwischen der Steiermark und Kärnten. Ihr höchster Punkt ist der Große Speikkogel mit 2.140 Metern, auf dem eine Wetterwarte steht. Der Gipfel liegt rund 400 Meter westlich der Landesgrenze und damit auf Kärntner Boden, etwa 18 Kilometer westlich von Deutschlandsberg und rund zehn Kilometer östlich von Wolfsberg.
Der kürzeste Anstieg beginnt auf der Weinebene, einem Bergsattel etwa in der Mitte des Gebirges auf 1.666 Metern, direkt an der Landesgrenze. Von dort sind es 7,6 Kilometer und 514 Höhenmeter, Gehzeit rund zweidreiviertel Stunden, mittelschwer. Der Weg mit der Markierung 20/05 führt über das Grillitschgatter, ein Weidetor auf 1.748 Metern, und die steile Passage der Hühnerstütze auf 1.989 Metern, vorbei am Seespitz auf 2.066 Metern zum Gipfel mit seinen Radaranlagen.
Zwei Bundesländer an einem Vormittag
Die Tour überquert die Landesgrenze mehrfach. Wer von der Weinebene aufsteigt, startet in der Steiermark und steht am Gipfel in Kärnten. Empfohlen werden festes Schuhwerk und Stöcke, Verpflegung gehört mitgenommen, weil oben nichts liegt.
Rund um die Weinebene liegen weitere Wanderwege und mehrere Berghütten, darunter das Koralpenhaus. Das Gebiet ist ganzjährig begehbar, im Winter allerdings als Skitourengelände und nicht als Wanderrevier. Mehr zur Region unter Koralpe.
Stubalpe und Gaberl
Der nördliche Teil der Region hat eigene Berge - und im Sommer Pferde darauf.
Der höchste Punkt des Bezirks Voitsberg ist der Rappoldkogel mit 1.928 Metern, der höchste Gipfel der Stubalpe. Sein Südkamm bildet die Bezirksgrenze: nördlich davon Murtal, südlich Voitsberg mit der Gemeinde Hirschegg-Pack.
Zwei Stützpunkte erschließen das Gebiet, beide über öffentliche Straßen erreichbar: das Salzstieglhaus auf 1.543 Metern und das Alte Almhaus auf 1.649 Metern. Vom Salzstieglhaus auf den Rappoldkogel sind es rund zwölf Kilometer und etwa vier Stunden reine Gehzeit.
Achtung, Verwechslungsgefahr
Auf der Stubalpe steht ein Speikkogel mit 1.993 Metern - nicht zu verwechseln mit dem Großen Speikkogel auf der Koralpe, der 2.140 Meter misst und auf Kärntner Boden liegt. Wer eine Tour plant, sollte prüfen, welcher der beiden gemeint ist.
Der Rundwanderweg um den Bezirk
1980 wurde am Gaberl auf 1.550 Metern ein Weitwanderweg eröffnet, der einmal um den ganzen Bezirk führt. Er hat zwölf Etappen, 4.355 Höhenmeter im Aufstieg und rund 45 Stunden Gehzeit; der höchste Punkt liegt auf 1.870, der tiefste auf 330 Metern. Alpintechnische Anforderungen gibt es keine, geübte Geher schaffen die Runde in fünf Tagen.
Bei der Länge widerspricht sich die Wegbeschreibung selbst: Einmal ist von etwa 130 Kilometern die Rede, an anderer Stelle von 150,8. Wer plant, rechnet besser mit der größeren Zahl.
Die Lipizzaner auf der Alm
Von Juni bis Mitte September stehen die Jungpferde aus dem Gestüt Piber auf den Almen: die ein- bis dreijährigen Hengste auf der Stubalm in rund 1.600 Metern Höhe, die Stuten auf der Brendlalm. Der steile, steinige Untergrund ist dabei kein Nachteil, sondern Absicht - er bringt Trittsicherheit und Ausdauer. Mitte September kehren die Tiere beim Almabtrieb nach Piber zurück.
Wann: Juli und August, mittwochs und samstags um 19 Uhr
Dauer: rund 45 Minuten, dazu 15 Minuten Anfahrt vom Parkplatz
Preis: 19 Euro
Bedingungen: nur bei Schönwetter, Hunde nicht erlaubt
Termine und Buchung führt die Spanische Hofreitschule, die Wegbeschreibung des Rundwanderwegs steht bei alpenvereinaktiv.
Weitwanderwege durch die Region
Vier Fernwege berühren die Weststeiermark, einer gehört ihr allein.
Schilcherweinwanderweg
Der einzige Weitwanderweg, der ausschließlich durch das Schilcherland führt. Rund 65 Kilometer von Ligist über Hochgrail und Stainz nach Deutschlandsberg und weiter bis Eibiswald. Er nimmt die Höhenrücken statt der Straße und verläuft weitgehend parallel zur Schilcherweinstraße. Üblich ist die Aufteilung in mehrere Tagesetappen mit Übernachtung in den Weinorten.
Nord-Süd-Weg (E22)
Der österreichische Weitwanderweg endet in Eibiswald. Die Schlussetappe 22 misst 19,5 Kilometer bei 6:15 Stunden Gehzeit und gilt als schwer. Sie steigt zum Weitwanderstein in Eibiswald ab, der das Ende des Wegs markiert.
Vom Gletscher zum Wein, Südroute
Etappe 21 dieses Weitwanderwegs führt über 20,8 Kilometer und 7:30 Stunden nach Eibiswald. Sie verläuft als Grenzpanoramaweg zwischen der Steiermark und Slowenien über Almen und Weingärten und verbindet damit beide Landschaften der Region in einer einzigen Etappe.
Jakobsweg und Südalpenweg
Der Weststeirische Jakobsweg und Abschnitte des Südalpenwegs führen ebenfalls durch das Gebiet. Beide lassen sich in Tagesabschnitten gehen, ohne die gesamte Route anzutreten.
Wandern ohne Auto
Streckenwanderungen scheitern meist am Rückweg zum Fahrzeug. In der Weststeiermark gibt es dafür eine brauchbare Lösung.
Der Schilcherweg von Stainz nach Bad Gams ist die Tour, die das am konsequentesten löst. Sie startet an der Bushaltestelle Stainz Schulparkplatz und endet an der Haltestelle Bad Gams Ort, ist also von beiden Enden mit dem Bus erreichbar. Zehn Kilometer, dreieinhalb Stunden, 400 Höhenmeter im Aufstieg und 350 im Abstieg. Der Weg führt am Schloss Stainz vorbei, durch den Ortskern, dann über das Tourismusbüro hinauf durch Wald mit Blick auf die Weingärten, an der Stainzer Warte vorbei und über Wiesenwege Richtung Stainzer Kogel.
Erreichbar ist der Ausgangspunkt laut Tourenbeschreibung mit öffentlichen Verkehrsmitteln unter anderem aus Graz, Klagenfurt, Villach, Bruck an der Mur und Knittelfeld. Die Verbindungen in die Region insgesamt stehen unter Anreise und Info.
Für die Rundwege gilt das Problem ohnehin nicht: Stainzer Panoramaweg, Rosenkogelweg, Weinbergweg Bad Gams, Turmbauerweg und Eibiswalder Rundweg enden alle dort, wo sie beginnen.
Ausrüstung und Jahreszeiten
Im Weinland ganzjährig
Die Hügellandtouren sind das ganze Jahr über begehbar. Der Stainzer Panoramaweg gilt laut Tourenportal als ganzjährig machbar. Im Winter fehlt allerdings die Einkehr, weil viele Buschenschänken geschlossen haben.
Auf der Koralpe alpin denken
Feste Schuhe und Stöcke sind für den Speikkogel empfohlen, Verpflegung gehört mitgenommen. Am Gipfel gibt es keine Versorgung, das Wetter schlägt schneller um als im Tal.
Warte-Öffnungszeiten prüfen
Die Stainzer Warte ist von April bis Ende November geöffnet, die Weinbergwarte Bad Gams je nach Wetterlage frei zugänglich. Wer im Winter zur Warte steigt, findet die Plattform womöglich gesperrt.
Herbst als beste Zeit
September und Oktober bringen klare Sicht, gefärbtes Laub und die Lese in den Weingärten. Gleichzeitig ist es die Zeit, in der die meisten Buschenschänken geöffnet haben.
Wasser mitnehmen
Auf den Höhenrücken zwischen den Ortschaften gibt es über weite Strecken keine Quelle und keinen Betrieb. Im Sommer sind die Südhänge ab Mittag ungeschützt in der Sonne.
Einkehr planen
Buschenschänken haben nur an bestimmten Tagen offen. Welcher Betrieb wann aufsperrt, steht unter Buschenschänken.
Ausgangspunkte und Weiterlesen
Die Orte, in denen die Touren starten, und die passenden Themenseiten.