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Heiraten

Kirchlich heiraten in der Weststeiermark

Ein Eheseminar um 70 Euro, zwei Trauzeugen und der Weg zur Wohnsitzpfarre: was die katholische Trauung in der Diözese Graz-Seckau voraussetzt, wo die evangelischen Gemeinden sitzen und welche Kirchen zwischen Stainz, Piber und Bärnbach als Hochzeitskirchen gefragt sind.

Zuletzt aktualisiert: September 2026
Redaktion: Redaktion Weststeiermark

Die kirchliche Trauung ersetzt die standesamtliche nicht. Rechtsgültig ist nur die Ehe vor dem Standesamt, und die Pfarren verlangen die Heiratsurkunde, bevor sie trauen. Für die meisten Paare heißt das zwei Termine, oft am selben Tag: vormittags Standesamt, nachmittags Kirche. Wer die Zeremonie im Schloss Stainz plant, kann beides im selben Ensemble haben, das Standesamt traut im Refektorium, die Pfarre in der Schlosskirche.

Gefragt sind in der Region nicht die größten Kirchen, sondern die mit Umfeld: die Schlosskirche Stainz, weil das Refektorium nebenan liegt, die Pfarrkirche Piber, weil das Barockschloss mit dem Arkadenhof wenige Meter entfernt steht, die Hundertwasserkirche Bärnbach, weil es sie nur einmal gibt. Und St. Oswald ob Eibiswald, das sich Hochzeitsdorf nennt und einen Brautführer stellt.

Wohnsitzpfarre, Trauungsprotokoll, Eheseminar

Der erste Weg führt zur Pfarrkanzlei des Wohnorts, nicht zur Wunschkirche. Dort wird das Trauungsprotokoll aufgenommen: ein Gespräch mit dem Pfarrer über das kirchliche Eheverständnis und die Prüfung, ob ein Ehehindernis vorliegt. Voraussetzungen laut Diözese Graz-Seckau: Mindestens einer der beiden ist katholisch, keiner ist durch eine frühere gültige Ehe gebunden, und beide sagen aus freiem Willen Ja, mit Treue und Offenheit für Kinder. Dass ein Partner einer anderen Konfession angehört, ist kein Hindernis; konfessionsverschiedene Trauungen sind ausdrücklich vorgesehen.

Mitzubringen sind Taufscheine, Geburtsurkunden und Meldezettel beider Partner, die Heiratsurkunde des Standesamts, sobald sie vorliegt, die Daten der beiden Trauzeugen und, wenn Kinder da sind, deren Geburtsurkunden. Nach einer früheren Ehe auch die Scheidungsurkunde, wobei eine gültige kirchliche Vorehe die neue Trauung ausschließt. Zwei Trauzeugen sind bei der katholischen Trauung Pflicht, beide volljährig.

Die Diözese bietet inzwischen eine Online-Anmeldung zur Trauung an und stellt eine Checkliste sowie eine Hochzeits-App bereit. Wer nach längerer Zeit ohne Kontakt zur Kirche heiraten will, wird nicht abgewiesen; dafür gibt es die Erneuerte Ehevorbereitung mit Begleitung durch ein verheiratetes Paar, kostenlos. Ansprechpartner für alle Fragen ist das Familienreferat der Diözese, Bischofplatz 4 in Graz, +43 316 8041-297.

Das Eheseminar und das Voitsberger Modell

Ohne Seminar keine kirchliche Trauung. Die Diözese bietet vier Formate an, und im Bezirk Voitsberg läuft ein fünftes.

Tagesseminar in der Pfarre

Ein ganzer Tag mit anderen Paaren, im Wechsel zwischen Kleingruppe und Plenum. Das Standardformat, 70 Euro pro Paar. Termine in Pfarren der ganzen Steiermark, die Plätze pro Termin sind begrenzt.

Online an drei Abenden

Drei, wahlweise vier Abende per Videokonferenz, gedacht für Paare mit kleinen Kindern oder weiten Wegen. Gleicher Preis wie das Tagesseminar.

Abenteuerseminar

Wanderung, Kanufahrt oder Radtour, kombiniert mit den Inhalten der Ehevorbereitung. Angebote wie „Gemeinsam himmelwärts" oder die „Gipfelerfahrung am Hochlantsch". Sonderformate kosten 80 bis 160 Euro, die „Entdeckungsreise" mit Candlelight-Dinner 150 Euro.

Pilotmodell Voitsberg: Miteinander wachsen

Der Seelsorgeraum Voitsberg testet ein dreistufiges Format: ein Impulsabend, dazwischen Begleitgespräche mit einem Vertrauenspaar aus der Pfarre, zum Schluss ein Abschlussabend. Die Unterlagen laufen online. Offen für Brautpaare aus dem Seelsorgeraum.

Erneuerte Ehevorbereitung

Für Paare, die lange nichts mit der Kirche zu tun hatten: das Seminar wie bisher, ergänzt um drei bis vier Kontakte mit einem verheirateten Begleitpaar. Kostenfrei, Information bei der Anmeldung in der Pfarrkanzlei.

Termine ab 5. Oktober 2026

An diesem Tag schaltet die Diözese die Seminartermine bis Oktober 2027 frei, gebucht wird über buchen.katholische-kirche-steiermark.at. Wer im Mai 2027 heiratet, sichert sich den Platz im Herbst, nicht im Frühjahr.

Die Formate, Preise und der Freischalttermin stehen auf der Seite der Diözese zu den Eheseminaren. Alternative zum Seminar ist in manchen Pfarren das Ehevorbereitungsheft „Die Liebe feiern", das in der Kanzlei aufliegt; ob es anerkannt wird, entscheidet die Wohnsitzpfarre.

Die Hochzeitskirchen der Region

Sieben Kirchen, die wegen ihrer Lage oder ihres Baus besonders oft für Trauungen gewählt werden.

Schlosskirche Stainz, Hl. Katharina

1229 als Kirche des Augustiner-Chorherrenstifts gebaut, 1605 vergrößert, innen barock. Die Pfarre Stainz nennt sie selbst eine beliebte Hochzeitskirche, und der Grund liegt nebenan: Refektorium, Schlosshof und Salettl für die standesamtliche Trauung und die Feier. Pfarrkanzlei Schloßplatz 2, +43 3463 2237, siehe Stainz.

Hundertwasserkirche St. Barbara, Bärnbach

Die einzige Kirche, die Friedensreich Hundertwasser je gestaltet hat, mit Zwiebelturm, goldenen Kugeln und zwölf Toren für die Weltreligionen. Die Pfarre Bärnbach richtet Trauungen dort aus. Piberstraße 15, +43 3142 62581, Kanzlei Mo, Di, Do, Fr 9 bis 11 Uhr, Mo auch 14 bis 15.30, siehe Bärnbach.

Pfarrkirche Piber, St. Andreas

Romanische Landkirche aus dem 11. Jahrhundert, die älteste Pfarre im Seelsorgeraum Voitsberg und Mutterpfarre der nördlichen Weststeiermark. Das Barockschloss des Lipizzanergestüts steht wenige Meter entfernt. Pfarramt Ludwig-Stampfer-Gasse 11, Köflach, +43 3144 3476, Pfarrer Mag. Martin Trummler.

Wallfahrtskirche Maria Lankowitz

Zweitgrößter Wallfahrtsort der Steiermark, von Franziskanern betreut, mit dem Kirchweihfest am 2. Juli. Trauungen werden in der Pfarrkanzlei angemeldet, Franziskanerplatz 1a, +43 3144 2289, Mo und Do 8 bis 10, Di 16 bis 18 Uhr, siehe Maria Lankowitz.

Pfarrkirche St. Oswald ob Eibiswald

1723 bis 1728 gebaut, als Pfarre seit 1373 belegt. Das Dorf auf der Alm nennt sich Hochzeitsdorf, mit Brautführer, der die Gesellschaft durch den Tag begleitet, und Gasthäusern im Ort. Kanzlei im Pfarrverband Eibiswald, +43 3466 42226, siehe Eibiswald.

Pfarrkirche St. Jakob in Freiland

Die Kirche steht unmittelbar neben dem Herkhof auf 847 Metern, wo im Stadl gefeiert und am Hof übernachtet wird. Für eine Bergkirchenhochzeit ohne Anfahrt zwischen Trauung und Tafel. Zuständig ist der Seelsorgeraum Schilcherland.

Pfarrkirche Allerheiligen, Deutschlandsberg

Stadtpfarrkirche der Bezirkshauptstadt und Sitz des Seelsorgeraums Schilcherland. Von der Kirche zur Burg sind es wenige Minuten. Kanzlei Schulgasse 11, +43 3462 2781-0, Mo 9 bis 11, Di 9 bis 11 und 16 bis 18, Fr 8 bis 10 Uhr, siehe Deutschlandsberg.

Pfarrkanzleien in beiden Bezirken

Die Diözese hat die Pfarren zu Seelsorgeräumen zusammengefasst. Für die Anmeldung zur Trauung zählt die Wohnsitzpfarre, für die Wahl der Kirche der Seelsorgeraum, in dem sie liegt. Drei davon decken die Weststeiermark ab.

Seelsorgeraum Pfarren Kanzlei Kontakt
Schilcherland Bad Gams, Deutschlandsberg, Frauental, Glashütten, Maria Osterwitz, St. Jakob in Freiland, St. Josef, St. Oswald in Freiland, St. Stefan ob Stainz, Stainz, Trahütten Schulgasse 11, Deutschlandsberg; Leitung Mag. István Holló +43 3462 2781-0, sr.schilcherland@graz-seckau.at
Sulm-Saggautal Pfarrverband Eibiswald mit Eibiswald, St. Lorenzen ob Eibiswald, St. Oswald ob Eibiswald und Soboth sowie weitere Pfarren im Sulm- und Saggautal Eibiswald 45; Pfarrer Mag. Markus Lehr. Mo 8.30 bis 11 und 14 bis 16, Mi, Fr 8.30 bis 11 Uhr +43 3466 42226, eibiswald@graz-seckau.at
Voitsberg Bärnbach, Piber und die weiteren Pfarren des Bezirks; Pilotregion der neuen Ehevorbereitung Pfarre Bärnbach, Piberstraße 15; Pfarre Piber, Ludwig-Stampfer-Gasse 11, Köflach +43 3142 62581 (Bärnbach), +43 3144 3476 (Piber)

Wer in Wies, Bad Schwanberg oder St. Martin im Sulmtal wohnt, klärt die Zuständigkeit mit einem Anruf in der nächsten Kanzlei. Die Kanzleien haben durchwegs kurze Öffnungszeiten, zwei bis drei Vormittage pro Woche sind die Regel. Ein Termin für das Trauungsprotokoll wird vorher vereinbart.

Evangelisch heiraten

Zwei Pfarrgemeinden mit drei Kirchen decken beide Bezirke ab. Die evangelische Trauung ist ein Segensgottesdienst über die standesamtlich geschlossene Ehe, ohne Seminarpflicht, aber mit Traugespräch.

Pfarrgemeinde Stainz-Deutschlandsberg

1899 als Predigtstation der Grazer Heilandskirche gegründet, heute eine Gemeinde mit rund 1.000 Evangelischen in einem Gebiet, das sie selbst als größer als Wien beschreibt. Zwei Kirchen: die Friedenskirche in Stainz, 1901 geweiht, und die Christuskirche in Deutschlandsberg. Gottesdienst in Stainz am zweiten und vierten Sonntag, in Deutschlandsberg am ersten und dritten, jeweils 10 Uhr. Pfarrer OStR Mag. Andreas Gerhold, Fabrikstraße 1, Stainz, +43 3463 2167, pg.stainz-deutschlandsberg@evang.at, nachzulesen im Adressverzeichnis der Evangelischen Kirche. Die Friedenskirche in der Fabrikstraße ist damit die evangelische Trauungskirche im selben Ort wie Refektorium, Hofer-Mühle und Standesamt.

Pfarrgemeinde Voitsberg

Rund 800 Mitglieder, seit 2025 mit Pfarrer László László. Die Gustav-Adolf-Kirche in der Bahnhofstraße wurde 1936 geweiht und besitzt mit einer Glocke aus Magdeburg von 1780 die älteste Glocke einer evangelischen Kirche in der Steiermark; das Altarfresko von Ernst Hönig von Hönigsberg zeigt Szenen aus dem Leben Jesu. Kontakt +43 664 2553196, kirche@evang-voitsberg.at, siehe Über uns auf evang-voitsberg.at.

Ökumenisch

Gehört ein Partner der katholischen, der andere der evangelischen Kirche an, ist eine gemeinsame Trauung mit Pfarrer und Pfarrerin möglich. Die Form wird mit beiden Gemeinden abgesprochen, in Stainz liegen katholische und evangelische Kanzlei im selben Ort. Standesamtlich bleibt es bei einem Termin, den die Standesämter der Region vergeben, siehe Standesämter und Trauungsorte.