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Die Weinroute

Die Schilcherweinstraße

Von Ligist bis Eibiswald durch eines der kleinsten Weinbaugebiete Österreichs: Verlauf, Etappen, Aussichtswarten und was die braunen Schilder mit dem weißen Pferd bedeuten.

Zuletzt aktualisiert: August 2026
Redaktion: Redaktion Weststeiermark

Die Schilcherweinstraße beginnt an einer Stelle, die auf dieser Website sonst nicht vorkommt: am Blumenmarkt in Ligist, und Ligist liegt bereits im Bezirk Voitsberg. Die Route folgt eben nicht der Bezirksgrenze, sondern dem Weinbau, und der beginnt ein paar Kilometer nördlich davon.

Von dort zieht sie sich nach Süden bis Eibiswald an der slowenischen Grenze, durch Hanglagen mit bis zu 70 Prozent Neigung, vorbei an Buschenschänken, Aussichtswarten und Kellerstöckln. Sie ist eine von vier ausgeschilderten Genussrouten der Region, neben der Sausaler und der Südsteirischen Weinstraße sowie der Steirischen Ölspur, und die einzige, die durch ein Weinbaugebiet führt, das seinen Wein nirgendwo sonst auf der Welt so keltern kann.

Wer sie an einem Tag durchfährt, hat wenig davon. Die Strecke ist kurz genug, um zu verführen, und kurvig genug, um Zeit zu fressen. Zwei Tage sind das Minimum, drei sind besser.

Wie lang ist die Strecke wirklich?

Auf die Frage nach der Länge bekommt man je nach Quelle 57, 70 oder 74 Kilometer zu hören. Alle drei Zahlen stimmen, sie messen nur Verschiedenes.

Die reine Fahrstrecke von Ligist bis Eibiswald beträgt rund 57 Kilometer und dauert ohne Stopps etwa eine Dreiviertelstunde plus eine Stunde, also knapp zwei Stunden. Das ist die Zahl, die im Navigationsgerät steht.

Die offizielle Angabe der Steiermark Tourismus liegt bei rund 70 Kilometern. Sie zählt das gesamte beschilderte Netz mit, denn die Weinstraße ist keine einzelne Straße, sondern ein Geflecht aus Hauptroute und Stichstraßen, die zu einzelnen Weinorten und Höhenrücken hinaufführen. Genau diese Abzweigungen machen den Reiz aus, und wer sie auslässt, bleibt im Tal.

Der praktische Schluss daraus: Planen Sie nicht nach Kilometern, sondern nach Stopps. Drei Buschenschänken und zwei Aussichtswarten füllen einen Tag, unabhängig davon, welche Zahl auf dem Prospekt steht.

Der Verlauf in sechs Etappen

Von Nord nach Süd, so wie die Route ab Graz üblicherweise befahren wird.

Etappe Orte Was dort liegt
1 Ligist, Gundersdorf Startpunkt am Blumenmarkt Ligist, bereits im Bezirk Voitsberg. Erster Anstieg in die Rebzeilen.
2 Langegg, Greisdorf, Hochgrail Die dichteste Buschenschank-Zone der ganzen Route. Klapotetz und Aussichtspunkte am Hochgrail, dazu die Wolfgangikirche.
3 Stainz Schloss Stainz, gegründet 1229 als Augustiner-Chorherrenstift, heute mit Jagd- und Landwirtschaftsmuseum. Die Stainzer Warte auf dem Lethkogel. Ausgangspunkt des Flascherlzugs.
4 Bad Gams, Wildbach Weinbergwarte Bad Gams mitten in den Weingärten. Stichstraßen auf die Höhenrücken.
5 Deutschlandsberg, Aichegg, Hollenegg Burg Deutschlandsberg über der Stadt, die Klause von 1814 als Naturdenkmal, dazu die höchste Dichte an Buschenschänken rund um den Schlossweg.
6 Bad Schwanberg, Wies, Eibiswald Das Sulmtal mit den südlichsten Schilcherlagen. In Eibiswald endet die Route, über die B 67 besteht Anschluss an die Südsteirische Weinstraße.

Die Reihenfolge ist nicht zwingend. Wer aus dem Süden anreist, dreht sie um und hat die Sonne im Rücken, was für Fotografen den Unterschied macht. Wer nur einen halben Tag hat, nimmt die Etappen zwei und drei: Zwischen Langegg und Stainz steht die höchste Dichte an Betrieben, Aussichtspunkten und Sehenswürdigkeiten auf der kürzesten Strecke.

Braune Schilder, weißes Pferd, Rosenstöcke

Die Route ist durchgehend beschildert, aber das Zeichen darauf erklärt sich nicht von selbst.

Die braunen Hinweistafeln tragen den Schriftzug Schilcher Weinstraße und ein weißes Pferd. Das Pferd ist das Logo des Schilcherschutzvereins, jener Organisation, die über die Herkunftsbezeichnung wacht. Wer dem Pferd folgt, bleibt auf der Route, auch an den Kreuzungen, an denen der Weg nicht offensichtlich ist.

Ein zweites Erkennungszeichen wächst am Straßenrand. Am Anfang vieler Rebzeilen steht ein Rosenstock, in der Weststeiermark auffallend häufig. Das ist kein Schmuck: Rosen reagieren auf Mehltau früher als Reben und dienten den Winzern als Frühwarnsystem. Heute stehen sie oft aus Tradition, die Funktion hat der Pflanzenschutz übernommen.

Das dritte Zeichen hört man, bevor man es sieht. Der Klapotetz ist ein hölzernes Windrad mit Welle und Schlägeln, die auf ein Schlagbrett fallen und rhythmisch klappern. Der Name kommt aus dem Slowenischen, von klopotati für klappern. Er sollte die Vögel zur Zeit der Traubenreife aus den Weingärten fernhalten, üblicherweise zwischen Jakobi und Martini am 11. November. Die Vögel haben allerdings rasch gemerkt, dass vom Geklapper keine Gefahr ausgeht. Erwähnt wurde der Klapotetz bereits 1797, Erzherzog Johann besaß 1836 einen auf seinem Weingut. Heute ist er Wahrzeichen und Fotomotiv, einer der bekanntesten steht am Hochgrail.

Die Aussichtspunkte an der Route

Zwei begehbare Warten, eine Burg und mehrere Höhenrücken, von denen aus die Landschaft erst Sinn ergibt.

Stainzer Warte

26 Meter hoher Holzturm auf dem Lethkogel in 608 Metern Seehöhe, rund drei Kilometer südwestlich vom Stainzer Ortszentrum. Errichtet 1902 nach Plänen von DI Hans Pascher, auf einem fünf Meter hohen Steinsockel, 93 Holzstufen bis zur achteckigen Plattform. Der Turm steht unter Denkmalschutz und wurde von 2023 bis Juni 2024 saniert. Geöffnet von April bis Ende November, erreichbar über mehrere familienfreundliche Wanderwege oder über einen Parkplatz in der Nähe.

Weinbergwarte Bad Gams

Steht auf 520 Metern Seehöhe mitten in den Weingärten am Truschnegg Weg und wurde 2004 vom Tourismusverband Bad Gams errichtet. Der Zugang ist je nach Wetterlage frei. Erreichbar unter anderem über den Weinbergweg Bad Gams. Der Blick reicht über das Schilcherland und die umliegenden Weinlagen.

Burg Deutschlandsberg

Die Burg liegt direkt über der Stadt und damit über der Route. Von hier aus sieht man die Schilcherstadt von oben und versteht die Geografie: Wo die Hänge nach Süden kippen, stehen die Reben, auf den Nordseiten steht Wald. Details unter Burg Deutschlandsberg.

Dazu kommen die Aussichtslagen ohne Turm: der Hochgrail mit seinem Klapotetz und den Blicken über die Rebzeilen, die Wolfgangikirche und der Reinischkogel. Alle drei liegen an oder knapp neben der Route und lassen sich in eine Fahrt einbauen, ohne dass man weit abweichen muss.

Wer die Warten besteigen will, sollte das Timing bedenken. Die Stainzer Warte ist im Winter geschlossen, die Weinbergwarte hängt am Wetter. Beide lohnen sich am meisten in der letzten Stunde vor Sonnenuntergang, wenn die Rebzeilen Schatten werfen und die Hangstruktur sichtbar wird.

660 Hektar auf eineinhalb Prozent der Rebfläche

Die Weststeiermark bewirtschaftet rund 660 Hektar Rebfläche. Zum Vergleich: Österreich kommt auf 44.210 Hektar, das Schilcherland stellt davon etwa eineinhalb Prozent. Kleiner sind nur wenige Gebiete - Wien mit 588 Hektar und das burgenländische Rosalia mit gut 200. Die Straße durchmisst ihr Gebiet dafür fast vollständig, was in den größeren Weinregionen keine einzige Route schafft.

Die Kleinheit hat Folgen, die man beim Fahren merkt. Es gibt keine industriellen Betriebe entlang der Strecke, kaum Kellereien mit Besucherzentren, dafür viele Höfe mit drei bis fünf Hektar. Das Weingut Jauk-Wieser in Deutschlandsberg bewirtschaftet 3,5 Hektar, ausschließlich handgelesen. Solche Größenordnungen sind hier der Normalfall.

Der Wein, um den es geht, ist der Schilcher aus dem Blauen Wildbacher, einer autochthonen Sorte, die außerhalb der Weststeiermark praktisch nicht angebaut wird. Was ihn ausmacht und welche weiteren Sorten hier wachsen, steht ausführlich unter Wein und Kulinarik.

Mit dem Auto, dem Rad oder zu Fuß

Auto

Rund zwei Stunden reine Fahrzeit für die Gesamtstrecke. Die Straßen sind schmal, kurvig und teilweise steil, Gegenverkehr auf den Stichstraßen erfordert Rücksicht. Wer verkosten will, braucht einen Fahrer oder ein Taxi.

Rad und E-Bike

Mit Motorunterstützung gut machbar, ohne eine ernsthafte sportliche Aufgabe: Die Hänge erreichen 70 Prozent Neigung, und die Route wechselt ständig zwischen Tal und Höhenrücken. Mehr dazu unter Radfahren und Mountainbike.

Zu Fuß

Der Schilcherweinwanderweg verläuft weitgehend parallel und führt über 65 Kilometer von Ligist nach Eibiswald. Er nimmt die Höhenrücken statt der Straße und ist in Tagesetappen einteilbar, siehe Wandern.

Am südlichen Ende schließt die Route an. Von Eibiswald führt die B 67 direkt zur Südsteirischen Weinstraße, sodass sich beide Gebiete in einer Reise verbinden lassen. Der Charakter ändert sich dabei deutlich: Statt Schilcher dominieren dort Sauvignon Blanc und Welschriesling, statt der weststeirischen Zurückhaltung eine touristisch stärker ausgebaute Infrastruktur.

Beste Zeit und Planung

Mai bis Oktober

Außerhalb dieser Monate haben viele Buschenschänken an der Route geschlossen, mehrere Aussichtswarten ebenfalls. Im Winter ist die Straße befahrbar, aber weitgehend leer.

Der Herbst gewinnt

September und Oktober bringen die Lese, das Laubfärben und die höchste Dichte an Festen. Am ersten Oktoberwochenende ist zusätzlich das Weinlesefest in Eibiswald, siehe Veranstaltungen.

Öffnungstage prüfen

Die Betriebe entlang der Route sperren an unterschiedlichen Tagen auf, meist an vier pro Woche. Wer Montag oder Dienstag fährt, findet deutlich weniger offen als am Wochenende.

Bargeld

In den Buschenschänken ist Kartenzahlung die Ausnahme. Der letzte Bankomat steht meist im Ortszentrum, nicht oben in den Weinbergen.

Zwei Tage einplanen

Etappe eins bis drei am ersten Tag mit Übernachtung in Stainz oder Deutschlandsberg, Etappe vier bis sechs am zweiten. Quartiere unter Unterkünfte.

Anreise

Von Graz sind es rund 30 Kilometer bis Ligist. Wer ohne Auto kommt, findet die Verbindungen unter Anreise und Info.

Die Orte an der Route

Alle Gemeinden entlang der Schilcherweinstraße, die im Bezirk Deutschlandsberg liegen.