Wein & Kulinarik
Restaurants und Wirtshäuser
Wo es warme Küche gibt, wenn die Buschenschank nur kalte Jause darf: sechs Betriebe von der Zwei-Hauben-Küche bis zum Gasthof mit eigener Fleischerei.
Inhalt
Die Burg über Deutschlandsberg führt zwei Hauben im Gault Millau, im Tal darunter kocht seit 1923 dieselbe Familie in Bad Schwanberg, und dazwischen liegt ein Wirtshaus, dessen Karte viermal im Jahr wechselt. Für einen Bezirk dieser Größe ist das eine bemerkenswerte Spannweite.
Der entscheidende Punkt vorweg: In der Weststeiermark ist die Frage nach dem Restaurant untrennbar mit der Frage nach der Buschenschank verbunden. Wer abends warm essen will, kann nicht einfach in die nächste Weinstube gehen, weil dort warme Küche gesetzlich nicht erlaubt ist. Diese Trennung bestimmt, wo man an welchem Abend landet.
Auffällig ist auch, wie viele Betriebe mehr sind als ein Lokal. Die Burg ist zugleich Hotel, der Stainzerhof ebenfalls, dasUrsprung vermietet Zimmer, und Mauthner in Bad Schwanberg betreibt neben Hotel und Gasthof eine eigene Fleischerei. Reine Restaurants sind hier die Ausnahme.
Buschenschank oder Wirtshaus?
Beide servieren steirische Küche, beide schenken Schilcher aus, und trotzdem sind es zwei völlig verschiedene Betriebsformen.
Ein Buschenschank ist rechtlich ein Nebenbetrieb der Landwirtschaft. Ausgeschenkt werden darf nur, was der Betrieb selbst erzeugt hat, serviert werden dürfen ausschließlich kalte Speisen. Kein Bier, kein Kaffee, kein Tee, keine warme Küche. Was daraus folgt und welche Betriebe wann aufsperren, steht unter Buschenschänken.
Ein Wirtshaus arbeitet mit einer Gastgewerbeberechtigung und unterliegt keiner dieser Einschränkungen. Es darf zukaufen, warm kochen, Bier zapfen und ganzjährig durchgehend geöffnet haben. Genau deshalb ist es abends und im Winter oft die einzige Option.
Die praktische Konsequenz für die Reiseplanung
Buschenschank am Nachmittag, Wirtshaus am Abend. Die meisten Buschenschänken sperren zwischen 11 und 15 Uhr auf und schließen früh, die Restaurants der Region servieren üblicherweise bis 21 oder 22 Uhr. Wer beides an einem Tag will, plant die Jause als späten Nachmittag und das warme Essen danach.
Eine Zwischenform gibt es ebenfalls. Betriebe, die mehr anbieten wollen als das Buschenschankgesetz erlaubt, führen ein Buschenschank-Buffet mit Gewerbeanmeldung. Sie sehen aus wie eine Buschenschank, dürfen aber auch warme Gerichte servieren.
Sechs Betriebe im Überblick
Angaben von den Betrieben selbst, Stand August 2026.
6 Betriebe
| Betrieb | Adresse | Öffnungszeiten | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Restaurant Burg Deutschlandsberg | Burgplatz 1, 8530 Deutschlandsberg +43 3462 5656-0 |
Mi bis Sa 12 bis 14.30 und 18 bis 21.30 Uhr. So, Mo, Di geschlossen | 2 Hauben |
| dasUrsprung | Hohlbach 54, 8530 Deutschlandsberg +43 3462 34880 |
Mo, Di, Fr, Sa 8 bis 22 Uhr, So 8 bis 16 Uhr. Mi und Do geschlossen | Gästezimmer |
| Wirtshaus im Stainzerhof | Grazer Straße 2, 8510 Stainz +43 3463 22122 |
Mo bis Fr 9 bis 23 Uhr, Mai bis Oktober auch Sa 18 bis 21 Uhr. Küche 11.30 bis 14 und 18 bis 21 Uhr | 1 Haube |
| Gasthof Safran Filatsch | Aichberg 83, 8552 Eibiswald +43 3466 42310 |
Fr bis Mo, Küche 11 bis 19 Uhr, So bis 15 Uhr | Zimmer |
| Mauthner, Zur alten Post | Hauptplatz 20, 8541 Bad Schwanberg +43 3467 8264 |
Frühstück ab 6.30 Uhr, ganztags warme Küche. Dienstag Ruhetag außer feiertags | Seit 1923 |
| Mauthner Wies | Marktplatz 8, 8551 Wies +43 3465 3761 |
Fleischerei Mi, Do und Fr 7.30 bis 12 und 15 bis 18 Uhr | Fleischerei |
Kein Betrieb passt zu dieser Auswahl.
Aufgenommen sind Betriebe, deren Angaben sich auf der eigenen Website oder bei der Gemeinde nachvollziehen ließen. Der Bezirk hat deutlich mehr Gastronomie, gerade in den kleineren Gemeinden und oft ohne Internetauftritt. Ruhetage ändern sich saisonal, ein Anruf vor der Anfahrt bleibt die sicherste Auskunft.
Die Haubenküchen
Drei Betriebe, an denen sich das kulinarische Niveau der Region ablesen lässt.
Restaurant Burg Deutschlandsberg
Das Spitzenhaus der Region liegt auf dem Burgplatz über der Stadt. Küchenchef Karl Christian Kollmann verbindet österreichische mit internationaler Küche, ausgezeichnet mit zwei Hauben im Gault Millau und zwei Sternen im À-la-carte-Guide.
Serviert wird in drei Bereichen: dem Biedermeierstüberl mit 20 Plätzen, dem Wappensaal mit 100 Plätzen und auf der Terrasse mit Blick über Deutschlandsberg. Geöffnet ist von Mittwoch bis Samstag, jeweils mittags und abends, an drei Tagen der Woche bleibt die Küche kalt. Reservierung wird empfohlen. Das Haus ist zugleich Burghotel. Mehr zur Anlage selbst unter Burg Deutschlandsberg.
dasUrsprung
Nicole und Philipp Thomüller führen das Haus in Hohlbach gemeinsam, sie als Diplomsommelière, er als Küchenchef. Die Küche ist regional und saisonal ausgerichtet und arbeitet mit benannten Zulieferern aus der Umgebung: Gemüse vom Gartenbau Glockengießer, Wein von Winzern der Region, Fisch von der Fischzucht Leger.
Der Betrieb startet früh in den Tag, ab 8 Uhr, mit selbst gebackenem Sauerteigbrot und hausgemachten Marmeladen zum Frühstück. Mittwoch und Donnerstag ist geschlossen, am Sonntag endet der Betrieb um 16 Uhr. Es gibt außerdem Gästezimmer.
Wirtshaus im Stainzerhof
Das Gegenmodell zur Gourmetküche und trotzdem mit Haube: Der Stainzerhof kocht ausdrücklich steirische Wirtshausküche, einfach gehalten und genau deshalb überzeugend. Das Küchenteam hat dafür eine Gault-Millau-Haube erhalten.
Die Karte wechselt viermal im Jahr mit den Jahreszeiten, die Zutaten kommen von Bauern der Umgebung. Neben der Abendkarte gibt es einen Mittagstisch und ein Drei-Gänge-Menü. Der Betrieb ist ein Hotel mit mehreren Zimmerkategorien, das Frühstücksbuffet kostet 25 Euro für Erwachsene und 12,50 Euro für Kinder von vier bis neun Jahren, jüngere Kinder frühstücken kostenlos.
Wirtshaus mit eigener Fleischerei
In Bad Schwanberg führt eine Familie seit 1923 einen Betrieb, der Hotel, Gasthof und Fleischerei unter einem Dach vereint.
Mauthner am Hauptplatz 20 ist der Fall, an dem sich zeigt, wie steirische Wirtshäuser historisch funktioniert haben: Der Gasthof verarbeitet, was die eigene Fleischerei liefert. Das Haus firmiert als Vier-Sterne-Hotel, der Gasthof heißt Zur alten Post. Serviert wird steirische Hausmannskost, dazu internationale Gerichte und saisonale Spezialitäten, von der weststeirischen Brettljause bis zum Schweinsbraten. Donnerstag bis Samstag stehen zusätzlich Fischgerichte auf der Karte.
Frühstück gibt es ab 6.30 Uhr, warme Küche den ganzen Tag über. Ruhetag ist Dienstag, ausgenommen an Feiertagen, dazu kommt der Pfingstmontag als geschlossener Tag.
Die Fleischerei hat einen zweiten Standort am Marktplatz 8 in Wies, geöffnet Mittwoch, Donnerstag und Freitag jeweils vormittags und nachmittags. Für Wanderer und Radfahrer ist das die praktischste Adresse in Wies, um sich für unterwegs einzudecken.
Der Gasthof Safran Filatsch in Eibiswald folgt einem ähnlichen Muster in kleinerem Maßstab: Familienbetrieb rund zwei Kilometer außerhalb des Ortes in den Weingärten, saisonale und frisch zubereitete regionale Küche, dazu Weine der Region. Die Küche läuft von Freitag bis Montag, die Zimmer sind unabhängig davon an sieben Tagen buchbar.
Was auf der Karte steht
Die Grundlage ist überall dieselbe: Schweinsbraten, Backhendl, Sterz, Käferbohnensalat, Forelle aus der Umgebung und Kürbiskernöl über allem, was es verträgt. Die Unterschiede liegen darin, wie weit sich ein Betrieb davon entfernt.
Der Stainzerhof bleibt bewusst nah dran und begründet das damit, dass gute Wirtshausküche gerade in der Einfachheit funktioniert. dasUrsprung geht am weitesten weg und kombiniert regionale Zutaten mit Einflüssen von außerhalb, etwa in einer Schilchercremesuppe mit Apfel und Chia oder einem asiatisch gewürzten Saibling. Die Burg wiederum verbindet österreichische Klassiker mit internationaler Technik.
Was alle drei gemeinsam haben, ist der Bezug zu benannten Lieferanten aus der Umgebung. Das ist in einem Bezirk dieser Größe keine Marketingfloskel, sondern schlicht die kürzeste verfügbare Lieferkette.
Der Wein dazu kommt fast immer aus der Region. Schilcher findet sich auf jeder Karte, dazu Sauvignon Blanc, Welschriesling und Morillon. Mehr zu den Sorten und den regionalen Produkten unter Wein und Kulinarik.
Ruhetage, Reservierung, Preise
Ruhetage sind hier die Regel
Von den sechs Betrieben hat keiner sieben Tage offen. Die Burg kocht an vier Tagen, dasUrsprung an fünf, Safran Filatsch an vier. Sonntagabend und Montag sind die schwierigsten Zeitfenster im Bezirk.
Reservieren, nicht hoffen
Für die Burg wird eine Reservierung ausdrücklich empfohlen. An Festwochenenden wie den Schilchertagen oder dem Weinlesefest sind auch die anderen Häuser voll, siehe Veranstaltungen.
Frühes Frühstück möglich
dasUrsprung öffnet um 8 Uhr, Mauthner in Bad Schwanberg bereits um 6.30 Uhr. Für Wanderer mit früher Startzeit sind das die relevanten Adressen.
Kartenzahlung meist möglich
Anders als in den Buschenschänken ist Kartenzahlung in Restaurants und Hotels üblich. Verlassen sollte man sich in kleineren Gasthäusern trotzdem nicht darauf.
Mittagstisch nutzen
Der Stainzerhof bietet einen Business-Lunch an, mehrere Häuser servieren mittags günstiger als abends. Wer abends in die Buschenschank will, verlegt das warme Essen sinnvollerweise auf Mittag.
Übernachten, wo man isst
Burg, Stainzerhof, dasUrsprung, Safran Filatsch und Mauthner vermieten alle Zimmer. Das löst die Fahrerfrage nach dem Wein. Weitere Quartiere unter Unterkünfte.
Orte und Weiterlesen
Die Gemeinden, in denen die Betriebe liegen, und die passenden Themenseiten.