Bezirk Voitsberg
Voitsberg
200 Jahre lang wurde hier Kohle gefördert, zuletzt 2,9 Millionen Tonnen im Jahr. Seit 2004 wächst auf dem Tagbau ein Landschaftspark - und über der Stadt stehen zwei Burgruinen, die älter sind als der Bergbau.
Inhalt
Voitsberg ist die einzige Stadt der Weststeiermark, deren Grundriss man ohne den Bergbau nicht versteht. Die Bahn wurde für die Kohle gebaut, die Fabriken standen wegen der Kohle da, und der größte Freiraum der Stadt ist heute ein rekultivierter Tagbau.
Mit 9.547 Einwohnern auf 28,5 Quadratkilometern ist die Stadt dicht besiedelt: 335 Menschen je Quadratkilometer, während der Bezirk im Schnitt auf 75 kommt. Fast jeder fünfte Bewohner des Bezirks lebt hier. Das Gemeindeamt liegt auf 395 Metern Seehöhe.
Wer aus dem Schilcherland um Deutschlandsberg kommt, merkt den Unterschied sofort. Südlich der Bezirksgrenze bestimmen Weingärten das Bild, hier waren es Fördertürme und Schlote. Beides liegt keine halbe Autostunde auseinander.
Zweihundert Jahre Kohle
Von der ersten Fundmeldung bis zur letzten Schaufel liegen fast vier Jahrhunderte.
Die erste Meldung über einen Kohlefund bei Köflach stammt aus dem Jahr 1606. Systematisch gewonnen wurde erst ab 1784, zunächst zum Heizen. Den Ausschlag gab die Eisenbahn: 1848 kaufte Erzherzog Johann Bergbauflächen im Revier und trieb den Bahnbau voran, am 3. April 1860 nahm die Graz-Köflacher Bahn den Betrieb auf. Erst damit ließ sich Kohle in Mengen abtransportieren, für die der Markt groß genug war.
Danach ging es steil bergauf. 1858 wurden rund 40.000 Tonnen im Jahr gefördert, 1875 fast eine halbe Million, 1908 etwa 900.000 Tonnen. Die erste Million fiel 1929. Den Höchststand erreichte das Revier 1957 mit rund 2,9 Millionen Tonnen.
Ähnlich verlief die Beschäftigung. 1857 arbeiteten etwa 275 Bergleute im Revier, 1880 waren es 834, 1920 über 3.000. In den Jahren 1956 und 1957 standen 6.150 Menschen in Lohn und Brot. Der Bezirk zählt heute 51.172 Einwohner - das gibt eine Vorstellung davon, welches Gewicht ein einzelner Arbeitgeber damals hatte.
Das Ende in zwei Daten
Der Abbau unter Tage endete am 6. Juli 1990. Vierzehn Jahre später, am 14. September 2004, wurde im Tagbau Oberdorf die letzte Kohle gebrochen. In Summe verließen über 166 Millionen Tonnen Braunkohle das Revier Voitsberg-Köflach.
Die Zahlen erklären, warum die Region bis heute anders klingt als das Schilcherland ein paar Kilometer weiter südlich. Wo dort Familienbetriebe mit drei bis fünf Hektar wirtschaften, arbeiteten hier Tausende in einem einzigen Industriezweig - und mussten sich neu orientieren, als er wegfiel. Nachzulesen ist die Entwicklung ausführlich bei MeinBezirk Voitsberg.
Was aus dem Tagbau wurde
Nördlich der Burgruine, auf dem Gelände des ehemaligen Bergbaus Zangtal.
Das Zangtal war bis zuletzt Abbaugebiet. Heute wird die Fläche schrittweise in einen Landschaftspark überführt, in dem es um Energie in ihren verschiedenen Formen geht. Zwei Rundwege erschließen das Gelände, sie unterscheiden sich in Charakter und Länge und lassen sich zum Spazieren ebenso nutzen wie zum Laufen.
Der stärkste Teil ist die Bergbau-Gedenkstätte. Ein Raum aus eisernen Ringzimmerungen ist einem Stollen nachempfunden; Bild-Text-Tafeln erzählen darin von der Arbeitswelt der Bergleute, die rund zwei Jahrhunderte lang in diesem Gebiet tätig waren. Am Rand der Anlage steht eine Barbara-Nische, gestaltet als Eingang zu einem Stollen. Ringsum sind historische Maschinen aus dem Revier aufgestellt.
Dazu kommt die Kunststraße, ein Skulpturenweg in einer Landschaft, die der Bergbau über Jahrhunderte umgeformt hat. Die Arbeiten stammen von Künstlerinnen und Künstlern aus der Region und aus dem Ausland und nehmen das Thema Energie auf.
Auf dem Gelände stehen außerdem Photovoltaikanlagen, eine Smartflower und der Verbundpavillon. Ein Permakulturhügel versammelt rund 120 Pflanzenarten, für Kinder gibt es Trampoline und weitere Mitmachstationen.
Die zwei Burgruinen
Mit dem Bau von Obervoitsberg begann Gottfried von Dürnstein um 1170. Über die Jahrhunderte war die Anlage Sitz eines Landgerichts und Mittelpunkt eines landesfürstlichen Amtes. Ein Blitzschlag setzte ihr im Jahr 1798 ein Ende, danach verfiel sie. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Ruine instand gesetzt, 1910 ging sie an die Stadt Voitsberg über, der sie bis heute gehört.
Krems, die zweite Ruine im Stadtgebiet, ist noch älter: Ihre Anfänge liegen um die Mitte des 12. Jahrhunderts. Das zugehörige Gewerkenhaus im Tal gehörte von 1848 bis 1859 Erzherzog Johann - demselben, der die Bergbauflächen kaufte und die Bahn nach Graz anstieß.
Durch die Altstadt
Die Stadtgemeinde hat einen beschilderten Rundgang eingerichtet.
Stadtmauer und Stadtturm stammen aus dem 14. und 15. Jahrhundert und markieren bis heute den historischen Kern. Die St. Josefskirche wurde zwischen 1690 und 1708 als Klosterkirche errichtet und ist seit 1816 Stadtpfarrkirche. Älter ist St. Michael: im Kern spätromanisch aus dem 13. Jahrhundert, in der Gotik erweitert. Die Kirche zum heiligen Blut soll 1293 erbaut worden sein und wurde um 1500 sowie im 17. und 18. Jahrhundert erneuert. Aus jüngerer Zeit stammt die evangelische Gustav-Adolf-Kirche, 1936 nach Plänen von Hans Hönel gebaut.
Ein Stück Gegenwartskunst mitten im Ort ist das Rathaus: Seine Außenfassade gestaltete Arik Brauer, im Inneren gibt es das Kunsthaus Rathaus. Wenige Schritte entfernt steht Schloss Greissenegg, dessen Errichtung wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts begann. Das ehemalige Karmeliterkloster wurde 1395 von Friedrich und Georg von Hanau gestiftet.
Wer auf Jahreszahlen achtet, findet die Industriegeschichte im Straßenbild wieder: Die Papierfabrik geht auf 1756 zurück, das ehemalige Eisenwerk auf 1788, die Zellulosefabrik auf 1882. Dazwischen stehen die Mariensäule von 1753 und ein Hochwasserstein von 1686. Alle Stationen mit den zugehörigen Angaben führt die Stadtgemeinde Voitsberg auf.
Anreise mit der S7
Voitsberg liegt an der Linie S7 der Graz-Köflacher Bahn, der Nachfolgerin jener Strecke, die 1860 für die Kohle gebaut wurde. Ab Graz Hauptbahnhof dauert die Fahrt rund 45 Minuten, die schnelleren REX-7-Züge schaffen es in etwa 42. Gefahren wird im Stundentakt, an Werktagen in der Hauptverkehrszeit dichter, und zwar bis nach Mitternacht.
Die Strecke führt über Graz Köflacherbahnhof, Wetzelsdorf, Webling und Straßgang nach Premstätten-Tobelbad, weiter über Lieboch, Söding-Mooskirchen, Köppling, Krottendorf-Ligist und Krems in der Steiermark. Nach Voitsberg folgen noch Bärnbach und Köflach.
Umsteigen ins Schilcherland
Lieboch ist der Knoten: Dort trennen sich die S7 nach Köflach und die S6 nach Wies-Eibiswald. Wer die Weinstraße und das Bergbauerbe an einem Tag sehen will, plant den Wechsel dort ein.
Maßgeblich ist der Fahrplan 2025/2026 der GKB, gültig seit 14. Dezember 2025. Die Fahrzeiten oben sind daraus entnommen; kurzfristige Änderungen bleiben vorbehalten.
Gemeindeamt
Adresse: Hauptplatz 1, 8570 Voitsberg
Telefon: +43 3142 22170
E-Mail: stadtgemeinde@voitsberg.gv.at
Parteienverkehr: Mo, Mi, Fr 8 bis 12 Uhr; Di und Do 8 bis 12 und 13.30 bis 17 Uhr
Voitsberg ist eine von 15 Gemeinden des gleichnamigen Bezirks, den die Bezirkshauptmannschaft vollständig auflistet. Die Einwohner- und Flächenangaben auf dieser Seite stammen aus dem Gemeindedatenblatt der Landesstatistik Steiermark, Stand 1. Jänner 2025.